Doku Service Steiermark

Netzwerk freier Fotojournalist*innen und Medienaktivist*innen

In eigener Sache

Ein Jahr Doku Service Steiermark

Der Dokuservice Steiermark hat sich nun vor mittlerweile einem Jahr, am 1.Mai 2020 gegründet. Wir sind ein Netzwerk aus freien Fotojournalist*innen und Medienaktivist*innen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, soziale Bewegungen und außerparlamentarische Politiken und ihre Dynamiken zu dokumentieren und somit einer möglichst breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Von Interesse ist für uns dabei auch die Dynamik von Protest, Gegenprotest und Staat – also konkret Polizei und Justiz – weswegen wir z.B. auch gezielt Prozessbeobachtungen durchführen. Unser Ziel ist es, das politische Geschehen außerhalb von Gemeinderat, Landtag und Co einer breiteren Öffentlichkeit und auch anderen Medien und Journalist*innen zugänglich zu machen. Für uns bedeutet das allerdings nicht nur die Begleitung von progressiven politischen Strömungen, sondern auch das Monitoring reaktionärer Kräfte, auch um deren Entwicklungen einschätzen zu können. Relevant sind für uns dabei nicht nur die ‘Großereignisse’, über die ohnehin medial berichtet wird, sondern auch kleinere Versammlungen, Aktionen und Treffen, bei denen wir oftmals die einzigen Journalist*innen sind, die diese begleiten.

 

Ein Rückblick über ein Jahr (Foto)Journalistischer Begleitung, Beobachtung und Dokumentation sozialer Bewegungen.

previous arrow
next arrow
Slider

Wir haben während des letzten Jahres einige Trends der Protestkultur in Graz feststellen können, die wir euch in den nächsten Wochen auf unserer neuen Website konzentriert vorstellen möchten.

Eines unserer größten Themen war im letzten Jahr die Dokumentation der sogenannten ‘Corona Protestszene’ in Graz und der Steiermark. Wir haben hier rund 30 Demonstrationen, Aktionen und Kundgebungen vor Ort beobachtet. Von den Anfängen im Mai 2020, als die Proteste noch kleine Ansammlungen von Menschen waren, den großen Aufmärschen Ende Dezember und Jänner, den Demonstrationen im Grazer Umland, den Demos in Wien mit Ausschreitungen und Angriffen auch auf uns, bis zum Abklingen der Proteste in den letzten Wochen ab März 2021.

Ein weiteres Thema, das uns über das Jahr hinweg begleitete, waren Demonstrationen anlässlich der Femizide, die es seit unserer Gründung gibt. Diese, oftmals spontanen, Demos können als Ausdruck einer sich im Aufwind befindenden feministischen Protestszene in Graz verstanden werden. Nahezu monatlich marschierten zudem Christliche Fundamentalist*innen durch die Grazer Innenstadt, um vor einer gynäkologischen Praxis zu beten und unter dem Vorwand des ‘Lebensschutzes’ gegen Schwangerschaftsabbrüche zu agitieren.

Feministische Aktivist*innen reagierten auf die klerikal-antifeministischen Aufmärschen gegen das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper, mit Aufklärung und Gegenprotest.

Weiters hat uns die Lage an den Außengrenzen der EU über das Jahr hinweg beschäftigt. So haben wir immer wieder die Mahnwachen für die Geflüchtetenlager Moria und Kara Tepe dokumentieren dürfen.

Im letzten Jahr konnten wir in Graz auch zwei besondere ‘Großereignisse’ dokumentieren, die anlässlich trauriger Vorfälle geschahen. So fand in Graz eine der größten Demonstrationen der letzten Jahre statt, als antirassistische Aktivist*innen zu Demonstrationen in Reaktion auf die Ermordung von George Floyd durch einen Polizisten in den USA, aufriefen. Die Black Lifes Matter Proteste markieren eine besondere Durchmischung der Proteste in Graz, an der sich bis zu 10.000 Aktivist*innen aus verschiedensten Gruppen und Zusammenhängen beteiligten.

Anlässlich von antisemitischen Angriffen auf die Grazer Synagoge und den Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Elie Rosen fanden in Graz zwei Demonstrationen und Mahnwachen vor der Synagoge statt. Aktivist*innen stellten sich am Abend des Angriffes vor die Synagoge, einerseits, um symbolisch ihre Solidarität mit den Betroffenen auszudrücken, andererseits, um einen potenziellen, weiteren Angriff zu verhindern.

previous arrow
next arrow
Slider

Auf ein Jahr zurückblickend verspüren wir gemischte Gefühle. Das Erstarken der verschwörungsideologischen Szene ging einher mit einem zunehmend offensiveren Auftreten von rechtsextremen Aktivist*innen im Rahmen von Protestereignissen. Aus diesen beiden, sich z.T. überschneidenden Spektren, konnten wir eine erhöhte Gewaltbereitschaft gegen Journalist*innen erleben. Wir wurden von Rechtsextremen in Ausübung unserer Arbeit angegriffen, der Schutz der Pressefreiheit durch sicherheitspolizeiliche Organe war oftmals nicht gewährleistet.

Wir konnten aber auch in anderen politischen Bereichen eine neue Dynamik beobachten, die uns Mut gemacht hat, unsere Arbeit fortzusetzen.

Neben einem wertschätzendem Kontakt zu etablierten Medien, einer positiven Resonanz auf unsere Arbeit von anderen Journalist*innen und einer gelegentlichen Nennung unseres Namens als Quelle für Bilder und Erkenntnisse, mussten wir allerdings auch oft weniger erfreuliche Erfahrungen erleben. So hat es sich scheinbar durchgesetzt, den Kauf unseres Bildmaterials zu umgehen, indem schlicht und einfach unsere Social Media Berichte in die Artikel eingebettet wurden. Wir sind nach wie vor von der Sinnhaftigkeit überzeugt, unsere Fotos über Social Media zu veröffentlichen, um so möglichst vielen Menschen Einblicke zu gewähren. Allerdings haben gerade große Medien genügend Ressourcen, um unsere Fotos käuflich zu erwerben und uns damit auch ein gewisses Maß an der Deckung unserer Ausgaben entgegenzubringen.

Unsere Arbeit kostet nicht nur viel Zeit und Kraft, sondern auch finanzielle Ressourcen. Von Datenträgern und fotografischem Equipment bis hin zu Reisekosten und Ausrüstung, die wir für unsere eigene Sicherheit während Demonstrationen benötigen, haben wir so laufende Ausgaben. Wenn Sie uns mit finanziellen Spenden oder Sachspenden unterstützen möchten, schicken Sie uns gerne eine Anfrage an info@doku-stmk.net

previous arrow
next arrow
Slider