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Antirassismus

Eine Unvollständige Chronik der Mahnwachen für Moria und Moria 2/ Kara Tepe in Graz

Im letzten Jahr durften wir immer wieder Mahnwachen und Demonstrationen dokumentieren, die die Politik der EU und Österreich an den Außengrenzen kritisierten.

Die Mahnwachen wurden vor allem von den Organisationen Seebrücke Graz sowie Flüchtlinge Willkomen Graz organisiert. Sie protestierten für eine Evakuierung der Lager an den Außengrenzen. Wir konnten bei weitem nicht alle dieser Mahnwachen dokumentieren. Im Folgenden findet sich ein kurzer Ausschnitt:

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Das Lager Moria war ein Geflüchtetenlager auf der Insel Lesbos nahe der Ortschaft Moria. Dort wurden Geflüchtete, die über das Mittelmeer versuchten nach Europa zu kommen, festgehalten. Das Lager besteht in seiner Grundform bereits seit 2014, damals war es als Erstaufnahmezentrum konzipiert worden. 2015 wurden dann die Kapazitäten aufgestockt und das Lager bestand seitdem in fast unveränderter Form. Seit dem Deal, den die EU mit der Türkei im Jahr 2016 abgeschlossen hatte, ist das vorrangige Ziel der Lager auf Lesbos zu verhindern, dass geflüchtete Menschen auf das griechische Festland kommen und so nicht mehr in die Türkei abgeschoben werden können. Die Umstände im Lager waren katastrophal, so mangelte es an Unterkünften, an hygienischer Ausstattung, an medizinischem Personal und an Mitteln zur Befriedigung der Grundbedürfnisse, wie frischem Wasser.

Mit dem Aufkommen der COVID 19 Pandemie wurde die Situation in den Lagern auf Lesbos noch prekärer, so gab es wenig Schutz vor Ansteckungen für die Menschen vor Ort. Ärzte ohne Grenzen verlangte eine sofortige Evakuierung des Lagers. Im September wurde das gesamte Lager Moria nach einem COVID Fall unter Quarantäne gestellt, trotzdem breitete sich das Virus im Lager aus. Am 8. September 2020 brach ein Großbrand im Lager aus, etwa 12.000 Menschen wurden im Zuge des Brandes obdachlos. Vier Tage darauf fand in Graz eine erste größere Demonstration mit 150 Teilnehmer*innen statt, die eine sofortige Evakuierung des Lagers forderte.

Die ehemaligen Insass*innen des Lagers Moria wurden Mitte September schließlich ins Lager Kara Tepe gebracht. Auch dort sind die Bedingungen, unter denen die Menschen leben müssen weiterhin unmenschliche. Doro Blanke berichtete täglich von der Situation vor Ort. Sie berichtete von mangelnden Hygienischen Bedingungen, zu wenig Zelten, zu wenig Wasserhähnen und von Unwettern, die die Lage dort immer wieder verschlechtern.

Aktivist*innen bauten daher am 24.10 ein symbolisches Lager am Hauptplatz in Graz auf, um auf die Bedingungen in Kara Tepe, das häufig Moria 2 genannt wird, aufmerksam zu machen. Weiters forderten die Aktivist*innen eine sofortige Evakuierung und boten dafür unter anderem Graz als sicheren Hafen für Geflüchtete an. Am 31.10.2020 und am 07.11.2020 wurde die Aktion wiederholt, es wurden Zelte aufgebaut, Informationsmaterialien ausgegeben sowie Kerzen im Gedenken an die Geflüchteten aufgestellt.

In den darauffolgenden Wochen mussten die Aktivist*innen vom Hauptplatz auf den Jakominiplatz ausweichen. Die Kundgebungen wurden von nun an für einige Zeit am Abend und ohne Zelte abgehalten. Aufgrund des Lockdowns, der zu diesem Zeitpunkt in Kraft war, wurde ein Videostream eingerichtet, über den Menschen von zu Hause aus teilnehmen konnten. Es wurden Reden gehalten und durch das Vorlesen von Briefen und Texten wurde auch Geflüchteten die Stimme gegeben.

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Ab 2021 wurden die Mahnwachen wieder größer und meist am Tummelplatz abgehalten. Die Lage in Kara Tepe wurden mit Zelten veranschaulicht, meistens übernachteten Aktivist*innen nun dort in Zelten und konnten so die Mahnwache auf eine 24 Stunden Mahnwache ausdehnen, die von Samstag bis Sonntag reichte. Diese Mahnwachen gingen ab Jänner dann in den Wochenenden für Moria auf, die erst am Freiheitsplatz und später am Karameliterplatz stattfanden.

Nach einer Abschiebung am 28.01.2021 von Schüler*innen und Jugendlichen fand wie auch in anderen großen Städten Österreichs, eine Demonstration gegen die Abschiebepolitik der Bundesregierung statt. Etwa 650 Vertreter*innen von Parteien, NGOs und autonomen Gruppen nahmen am 31.01.2021 an der Demonstration teil bei der sowohl die Bundesregierung als auch die Polizei für die brutale Realität der Abschiebungen kritisiert wurden.

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Nähere Infos zu den Mahnwachen ab 2021: Flüchtlinge Willkommen Graz , Seebrücke Graz und Wochenende für Moria Graz
Laufende Informationen zur Lage auf Lesbos sowie direkt die Möglichkeit Menschen vor Ort zu unterstützen findet man bei der Grazer Menschenrechtsaktivistin und Ute Bock Preisträgerin Doro Blancke: https://doroblancke.at

Außerdem befindet sich die Journalistin Isabel Schayani zum Zeitpunkt unserer Veröffentlichung noch auf Lesbos und schätzt täglich die Lage ein.